{"id":1214,"date":"2021-06-04T10:00:08","date_gmt":"2021-06-04T08:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/?p=1214"},"modified":"2024-02-11T14:18:48","modified_gmt":"2024-02-11T13:18:48","slug":"begriffe-der-os-im-kontext-von-covid-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/begriffe-der-os-im-kontext-von-covid-19\/","title":{"rendered":"OS terms in the context of Covid-19 (german)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"font-size:13px\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Katrin Pechst\u00e4dt, Magdalena Schl\u00f6gl, Miriam Berger, Kristina Weish\u00e4upl, Melanie Kriegseisen-Peruzzi, Daniela Schlager-Jaschky<\/span><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><div class=\"has-text-align-right wp-block-post-date\"><time datetime=\"2021-06-04T10:00:08+02:00\">4. June 2021<\/time><\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover aligncenter has-parallax coblocks-animate\" data-coblocks-animation=\"fadeIn\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-1258 has-parallax\" style=\"background-position:50% 50%;background-image:url(https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/img_7553-1024x576.png)\"><\/div><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph\">Wenn diese Pandemie auch nur etwas Gutes hat, dann, dass sie gezeigt hat, wie sich <strong>T\u00e4tigsein <\/strong>und <strong>(Nicht-)T\u00e4tigsein-K\u00f6nnen<\/strong> auf unser Leben auswirken. Die Begriffe, die in den Handlungswissenschaften (\u201eOccupational Science\u201c) zuvor diskutiert wurden, waren f\u00fcr alle <strong>beobachtbar und erlebbar<\/strong>. Wir haben daher die COVID-19-Pandemie zum Anlass genommen, um Euch die g\u00e4ngigsten Begriffe rund um \u201eOccupational Science\u201c hier zu erkl\u00e4ren. <br>Viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Kochst Du heute Abend selbst oder bestellst Du Pizza? Gehst Du in Deiner Freizeit lieber in die Berge oder in die aktuelle Ausstellung? Arbeitest Du als Ergotherapeut:in angestellt oder freiberuflich? Erholst Du Dich lieber bei Yoga oder mit einem Buch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Wir sind gewohnt, unsere Handlungen des Alltags prinzipiell selbst zu w\u00e4hlen (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Choice<\/mark><\/strong>). Selten ist uns dabei bewusst, dass neben intrinsischen Faktoren, wie individuellen F\u00e4higkeiten oder pers\u00f6nlicher Motivation, auch extrinsische Faktoren bei der Wahl unserer Handlungen eine wichtige Rolle spielen. So haben auch sozio-kulturelle, \u00f6konomische und politische Faktoren Einfluss auf unsere Occupational Choices, da diese Faktoren den gr\u00f6\u00dferen Rahmen f\u00fcr unsere Wahlm\u00f6glichkeiten bilden. Seit Beginn der Pandemie ist dieser Rahmen deutlicher sp\u00fcrbar und beeinflusst ma\u00dfgeblich, was wir wie, wann, wo und mit wem tun.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Welchen Einfluss die Umwelt auf unseren Alltag hat, haben bereits ergotherapeutische Modelle wie das OPM (Chapparo &amp; Ranka, 1997) und PEO (Law et al., 1996) ersichtlich gemacht. In OPM wird zwischen sozialer, physischer, sensorischer und kultureller Umwelt unterschieden, w\u00e4hrend im PEO eine \u00dcberschneidung von Person, Umwelt und Bet\u00e4tigung &#8211; die sogenannte Bet\u00e4tigungsperformanz, dargestellt wird. <strong>Umweltfaktoren<\/strong> \u2013 soziale, physische, sensorische, kulturelle Faktoren \u2013 beeinflussen unser allt\u00e4gliches Handeln, unsere Handlungsm\u00f6glichkeiten sowie unsere Handlungsrollen und wirken sich dadurch auf unsere Gesundheit, Lebensqualit\u00e4t und unser Wohlbefinden aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Aufgrund der COVID-19-Pandemie ver\u00e4nderten sich f\u00fcr viele beispielweise die Umweltfaktoren hinsichtlich ihrem Arbeitssetting. Menschen, verbringen seither viel Zeit im Homeoffice und haben dadurch anderen Umweltbedingungen, welche sich wiederum auf ihr Handeln auswirken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Aber nicht nur die Umweltbedingungen haben sich ver\u00e4ndert, sondern auch die <strong>Routinen<\/strong> vieler Menschen, die in unserem Leben 4 wichtige Funktionen (Clark, 2000) erf\u00fcllen: Einerseits erh\u00f6hen sie Deine Handlungsf\u00e4higkeit dadurch, dass sie sich mehr auf die Ausf\u00fchrung der Handlung als auf die Handlungsabfolge konzentrieren. Du konzentrierst Dich also mehr darauf, wie Du etwas tust, als darauf, in welcher Reihenfolge welche Handlungsschritte n\u00f6tig sind. Andererseits sind sie durch die sehr hohe Effizienz in der Durchf\u00fchrung sehr \u00f6konomisch und dadurch weniger anstrengend. Weiter kann man durch das automatisierte Handeln besser auf neue, unvorhersehbare Einfl\u00fcsse reagieren, die w\u00e4hrend der Routine auftreten. Generell fordern sie schlicht weniger von Deiner Aufmerksamkeit und damit weniger Energie in der Ausf\u00fchrung einer Handlung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Das ist auch wichtig im Alltag und hier werden wir durch COVID-19 vor besondere Herausforderungen gestellt: Unsere Routinen mussten sich oft ver\u00e4ndern. Vielleicht ist deine Morgenroutine die gleiche geblieben, aber deine Arbeitsroutinen haben sich ver\u00e4ndert oder genau umgekehrt. Es scheint jedenfalls so, dass es umso schwerer ist, Routinen zu \u00e4ndern, je mehr Bedeutung wir und unsere Familie dieser Routine beimessen (Segal, 2004).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Entsprechend sind Routinen nicht nur dazu da, dass wir ein Ziel erreichen (Kinder in die Schule schicken oder satt sein nach der Osterjause), sondern sie vermitteln ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und schaffen damit eine Familienidentit\u00e4t (Segal, 2004). Gerade daher ist es wichtig, jetzt f\u00fcr uns und unsere Klient:innen Routinen so gut es geht zu erhalten oder diese so neu zu organisieren, dass deren identit\u00e4tsstiftende Bedeutung erhalten bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Aber nicht nur unsere Routinen wurden durch die Pandemie herausgefordert, auch unsere Bet\u00e4tigungsrollen (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Roles<\/mark><\/strong>) haben sich ver\u00e4ndert. Christiansen und Baum (1997) definierten Occupational roles als eine Reihe von Verhaltensweisen, die eine gesellschaftlich vereinbarte Funktion haben und f\u00fcr die es einen akzeptierten Normenkodex gibt.\u00a0 Heard (1977) behauptete, dass unsere Occupational roles die t\u00e4glichen Aktivit\u00e4ten definieren, ebenso wie unser Gef\u00fchl, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und gesellschaftlich wertvoll zu sein.\u00a0 Daher gewinnen wir durch unsere Occupational roles und das, was wir tun, ein Gef\u00fchl f\u00fcr uns selbst und bilden unsere (Handlungs)identit\u00e4t (Occupational identity).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Umgem\u00fcnzt auf den praktischen Alltag sind z.B. die wichtigsten Occupational Roles f\u00fcr ein Kind die Handlungsrollen als Lernende:r, Spielkamerad:in, Tochter\/Sohn und unabh\u00e4ngiges Individuum. In Zeiten von COVID-19 erfahren diese Occupational Roles aufgrund der verordneten Ma\u00dfnahmen zum Teil eine deutliche Einschr\u00e4nkung und Ver\u00e4nderung. Durch externe Umst\u00e4nde k\u00f6nnen diese Handlungsrollen nur zum Teil oder gar nicht mehr eingenommen werden. Allerdings er\u00f6ffnet die Zeit der Pandemie auch neue Handlungschancen und dadurch die M\u00f6glichkeit, neue Handlungsrollen einzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Ergreifen wir diese neuen Chancen, k\u00f6nnen wir auch unsere Bet\u00e4tigungsidentit\u00e4t (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Identity<\/mark><\/strong>) ver\u00e4ndern. Kielhofner (2002) definierte den handlungswissenschaftlichen Begriff Occupational Identity, welcher beschreibt, was eine Person durch ihre Rollen, Werte und Beziehungen pr\u00e4gt. Dar\u00fcber hinaus erweitert sich das Wissen \u00fcber die eigenen F\u00e4higkeiten, Ziele und W\u00fcnsche unumg\u00e4nglich. Die Occupational Identity dient als Mittel der Selbstdefinition.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Weltweit erleben wir aufgrund der COVID-19-Pandemie alle einen Wandel unserer Occupational Identity, welcher oftmals auch Gef\u00fchle der Unsicherheit hervorruft. Wir definieren uns h\u00e4ufig \u00fcber ein Studium oder die Arbeit. Ich arbeite, also bin ich?! In einer Zeit, in der viele Menschen ihre Anstellung verlieren oder eine Ver\u00e4nderung der Arbeitsbedingungen erleben (Home Office, virtuelle Meetings, Kurzarbeit, Arbeit und Kindererziehung unter einen Hut bringen), stellt sich allerdings manchmal ein Gef\u00fchl des Identit\u00e4tsverlustes ein. Es kann zu Belastungen durch angespannte finanzielle Verh\u00e4ltnisse und Verlust von gewohnten sozialen Kontakten kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Jedoch ist unser Job nicht das, was wir sind, sondern das, was wir tun. Wir k\u00f6nnen unseren Blick auf bereits vorhandene nicht-berufliche Rollen richten z.B. ehrenamtliche Arbeiten oder neue Hobbys. Denn Menschsein bedeutet immer mehr und hat viele unauslotbare Ebenen. Unsere Occupational Identity wird durch unterschiedlichste Handlungsrollen, Werte und Beziehungen gepr\u00e4gt, welche uns in unserem Alltag unterschiedlichste Handlungsm\u00f6glichkeiten und -chancen bieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Egal welche T\u00e4tigkeiten unsere Bet\u00e4tigungsrollen und -identit\u00e4t pr\u00e4gen, so gilt es doch eine ausgewogene (Bet\u00e4tigungs-)Balance im Leben zu finden. Das ist unglaublich wichtig, um die Gesundheit zu f\u00f6rdern und einen gut funktionierenden Alltag zu (er-)schaffen. Das erweist sich in der Praxis jedoch nicht immer als einfach, oder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Unsere Bet\u00e4tigungsbalance (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Balance<\/mark><\/strong>) stellt stets eine Herausforderung im Alltag von uns Menschen dar. Das Leben bringt immer wieder \u00dcberraschungen mit sich, was es teils schwer macht, eine gesunde Balance zwischen Selbstversorgung, Ruhe\/Erholung, Produktivit\u00e4t und Freizeit zu finden. Erinnere Dich daher immer wieder daran, dass es um die QUALIT\u00c4T der verbrachten Zeit geht und nicht um die QUANTIT\u00c4T.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">In den meisten F\u00e4llen ist alles, was es braucht, eine Steigerung der Absicht und Achtsamkeit, w\u00e4hrend man sich mit den T\u00e4tigkeiten besch\u00e4ftigt. In der Literatur gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs Occupational Balance (Anaby et al., 2016). Des Weiteren wird Occupational Balance oftmals in Verbindung mit oder als Synonym f\u00fcr die Work-Life-Balance verwendet (Matuska, 2012; Wagman et al., 2012), wobei der Begriff Occupational Balance ganzheitlicher gesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung hat Backman (2011) verschriftlicht: Menschen f\u00fchren viele verschiedene Handlungen aus, wovon sie manche lieber tun als andere, und gewisse Handlungen einfach gemacht werden \u201em\u00fcssen\u201c. Laut Wilcock (2006) ist es ein Bet\u00e4tigungsgleichgewicht, welches zum Wohlbefinden f\u00fchrt. Komplementiert wird diese Aussage damit, dass jede Person ein eigenes Verst\u00e4ndnis davon hat, wie die individuelle optimale Occupational Balance aussieht (ENOTHE, 2007).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Die abrupte Unterbrechung unseres gewohnten Alltages durch den Lockdown hatte zur Folge, dass unsere gewohnte Balance aus dem Gleichgewicht gekommen ist (Occupational Imbalance). Reduzierung der sozialen Kontakte, Ausgangssperre, geschlossene Restaurants, Hotels, Fitnesscenter, Museen, Kinos, etc. haben Auswirkung auf unsere physische und psychische Gesundheit. Um ein erf\u00fclltes Leben zu genie\u00dfen, ist es in dieser speziellen Zeit die Herausforderung von uns allen, Selbstversorgung, Ruhe\/Erholung, Produktivit\u00e4t und Freizeit in unserem Alltag ins Lot zu bringen, umeine ausgeglichene Occupational Balance zu erleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Ver\u00e4nderungen sind f\u00fcr viele Menschen schwierig. Vielen f\u00e4llt es schwer sich daran zu gew\u00f6hnen, dass man die B\u00fcroarbeit jetzt nicht mehr im B\u00fcro macht, sondern vom Home-Office aus. Den Prozess der Bet\u00e4tigungsver\u00e4nderungen im Alltag und daher in verschiedenen Lebensbereichen eine &#8222;<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Transition<\/mark><\/strong>&#8222;.\u2060 Laut Crider et al (2014) ist eine &#8222;Occupational Transition&#8220; gekennzeichnet von einer &#8222;Occupational Dysbalance&#8220;, weil man sich erst an die neue Situation anpassen muss. Diese bleibt so lange bestehen, bis eine Adaptierung an die neue Situation stattgefunden hat. Und obwohl die Anpassung an die neue Situation von individuellen Faktoren abh\u00e4ngt, gibt es einige f\u00f6rderliche Faktoren laut Crider et al (2014): \u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Das Erinnern an positive, vorherige Transitionserfahrungen und das Wissen, was in der neuen Situation erwartet wird\u2060, sowie ein positives Denken und die Akzeptanz der Ver\u00e4nderung wirken sich positiv auf den Anpassungsprozess aus. \u2060Unterst\u00fctzend wirkt auch eine gute Passung von Menshc- Person und Umwelt in der neuen Lebensituation (&#8222;Occupational Fit&#8220;). Das schlie\u00dft auch die Unterst\u00fctzung der sozialen Umwelt (beteiligte Institutionen, pers\u00f6nliches oder soziales Umfeld und deren Einstellung und Hilfestellungen)\u2060&nbsp;mit ein. Zudem ist eine kontinuierliche Ausf\u00fchrung von gleichbleibenden Bet\u00e4tigungen \u00fcber den Transitionsprozess hinweg wichtig, um eine Verbindung zwischen \u201eder Vergangenheit\u201c (Situation vor der Transition) und der neuen Situation (\u201ethe&nbsp;New Normal\u201c)\u2060&nbsp;und damit ebenfalls den Transitionsprozess zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Dabei ist anzumerken, dass diese Bet\u00e4tigungsanpassung (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Adaption<\/mark><\/strong>) nicht immer einfach ist, wie das folgende Beispiel zeigt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Alex ist 16 Jahre alt und besucht die zweite Klasse Oberstufe eines naturwissenschaftlichen Gymnasiums. Der ausgezeichnete Sch\u00fcler geht ausgesprochen gerne in die Schule, er ist beliebt und hilfsbereit. Den Umstieg auf das \u201eHome-Schooling\u201c im Zuge des ersten Lockdowns schafft er zun\u00e4chst problemlos. Ab Mitte Mai 2020 steht Alex morgens nur mehr schwer auf, er ist tags\u00fcber energielos. Der Klassenvorstand meldet an die Eltern, dass Alex in den vergangenen beiden Wochen keine Haus\u00fcbungen einreichte und im Online-Unterricht nicht mehr \u201egreifbar\u201c sei. Darauf angesprochen weint er und beschreibt das Gef\u00fchl, \u201evon der Welt vergessen, lebendig begraben\u201c zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Unterst\u00fctzt von seinen Eltern findet Alex ein Online-Tool, mit dem man parallel zum Unterricht kommunizieren kann. Kurzerhand macht er es in seiner Klasse publik und tut nun wieder das, was er am liebsten tut: \u00fcber Kommunikation lernen und andere dabei auch noch \u201emitnehmen\u201c. Innerhalb weniger Tage ver\u00e4ndert sich Alexs Zustand, er steht p\u00fcnktlich auf, erledigt innerhalb weniger Tage alle Haus\u00fcbungen. Mit dem zweiten Lockdown startet Alex in der Schule den Aufruf, das \u201eSchw\u00e4tz-Tool\u201c wieder gemeinsam zu nutzen. Bis heute geht es Alex psychisch wie physisch gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Alex hat es geschafft, auf die sozialen, zeitlichen und r\u00e4umlichen Umweltver\u00e4nderungen mit passenden Handlungen zu reagieren. Seine Handlungsperformanz in seiner f\u00fcr ihn substanziellen Handlungsrolle als Klassenkamerad und Lernbegleiter ebenso wie seine Bet\u00e4tigungsbalance beschreibt er als subjektiv \u201cgut\u201c und meint \u201esein Leben geh\u00f6re wieder ihm\u201c. Der innere Prozess des Anpassens ebenso wie das erfolgreiche Nutzen von alternativen Handlungsm\u00f6glichkeiten sind im Begriff der Occupational adaption (Handlungsanpassung) vereint. Die in allen Lebensaltern relevante Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Anpassungs- sowie Handlungsf\u00e4higkeit in herausfordernden Lebenssituationen beg\u00fcnstigen Resilienz und damit Gesundheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Gerade am Beginn der Pandemie stand vor der Anpassung an die neue Situation die Wahrnehmung der Ver\u00e4nderung in den Handlungsmustern, -abl\u00e4ufen und -rollen. Diese wird als \u201e<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Disruption<\/mark><\/strong>\u201c bezeichnet und bedeutet, dass es zu einer tempor\u00e4ren Unterbrechung von gewohnten Handlungen und Handlungsrollen sowie zu einer Ver\u00e4nderung der Handlungsm\u00f6glichkeiten kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Occupational disruptions ereignen sich h\u00e4ufig und in unterschiedlichen Kontexten. Durch ihre zeitliche Begrenzung sind sie in vielen F\u00e4llen allerdings gut kompensierbar. Erschwert wird eine Occupational disruption, wenn sie zeitlich nicht eingegrenzt werden kann oder durch sie unfreiwillige, nachhaltige Rollenver\u00e4nderungen drohen, wie das in der Pandemiesituation gerade der Fall ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Michael, 48, ist Pilot. Nach der weitgehenden Einstellung der meisten Linienfl\u00fcge durch Covid 19 wird er von seiner Fluglinie in Kurzarbeit geschickt. Damit wird seine \u201eFliegerei\u201c nach f\u00fcnfundzwanzig Jahren zum ersten Mal und unfreiwillig unterbrochen. W\u00e4hrend der ersten f\u00fcnf Wochen seiner Bet\u00e4tigungsunterbrechung (Occupational disruption) genie\u00dft er die medial allgegenw\u00e4rtige \u201eEntschleunigung\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Ab Anfang Mai f\u00fchlt er sich unwohl, ruhelos, getrieben. Er berichtet von Ein- und Durchschlafproblemen. Obwohl er wei\u00df, dass er durch seine Position als erfahrener Pilot und Ausbildner in der Zeit nach dem Lockdown wieder arbeiten wird, beschreibt er sich als nerv\u00f6s, zeitweise besorgt. Unterschiedliche Aktivit\u00e4ten, die er ehrenamtlich \u00fcbernimmt, beispielweise den Einkaufsdienst f\u00fcr die \u00e4lteren Nachbarn in seiner Stra\u00dfe oder Online-Nachhilfe f\u00fcr Mitsch\u00fcler:innen seiner Kinder, empfindet er als wertvoll und ablenkend. Er hofft aber gleichzeitig, dass diese Aktivit\u00e4ten nicht zu seiner \u201eneuen Normalit\u00e4t\u201c werden. Das Fliegen, die Distanz zu seiner Familie und das regelm\u00e4\u00dfige \u201eWieder-Heim-Kommen\u201c, das Gef\u00fchl der eigenen Wirksamkeit im Umgang sowohl mit der Flugzeugtechnik als auch mit den Crewmitgliedern und den Kolleg:innen der Flugsicherheit fehlt ihm.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Die so m\u00f6gliche Bet\u00e4tigungsdeprivation (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Deprivation<\/mark><\/strong>) ist der Zustand, in dem Menschen daran gehindert oder davon ausgeschlossen werden, an notwendigen, obligatorischen und selbst gew\u00e4hlten T\u00e4tigkeiten teilzunehmen und sich zu engagieren. Occupational deprivation hat daher schwerwiegende Folgen &#8211; sie reduziert die F\u00e4higkeiten der Menschen und beeintr\u00e4chtigt die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualit\u00e4t erheblich. Whiteford (2000) beschreibt in seiner Studie Occupational deprivation als einen Zustand, in dem Menschen aufgrund von Faktoren, die au\u00dferhalb ihrer Kontrolle liegen, von der M\u00f6glichkeit ausgeschlossen sind, bedeutungsvolle Aktivit\u00e4ten auszu\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Ashley Scott (2020) schrieb in ihrem Artikel dar\u00fcber, wie sich Occupational deprivation auf die mentale Gesundheit auswirkt. So meint sie, dass Handlungen und bedeutungsvolle Aktivit\u00e4ten den Kern des psychischen Wohlbefindens ausmachen und eine Occupational deprivation eine Vielzahl von Folgen mit sich bringt, wie z. B. Angstzust\u00e4nde, Depressionen und ein Gef\u00fchl der Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Der handlungswissenschaftliche Begriff Occupational deprivation (Bet\u00e4tigungsdeprivation) wird durch die aktuelle Covid-19-Krise deutlich greifbar und f\u00fcr viele Menschen, durch die uns alle betreffenden Ausgangsbeschr\u00e4nkungen, Quarant\u00e4nebestimmungen, geschlossenen Gesch\u00e4fte und Restaurants, sowie Home-Office-Verordnungen, sp\u00fcrbar. Durch die aktuellen Schutzma\u00dfnahmen kommt es zu Ver\u00e4nderungen unseres gewohnten Bet\u00e4tigungsverhaltens, zu Einschr\u00e4nkungen in der Ausf\u00fchrung einzelner Handlungsinteressen und zu einer m\u00f6glichen Bet\u00e4tigungsimbalance, was wiederrum zu einer Occupational deprivation f\u00fchren kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Aber nicht nur das Nicht-Ausf\u00fchren-K\u00f6nnen, sondern auch das Gef\u00fchl von eigenen, bedeutungslosen und unbefriedigenden Handlungen, meist verbunden mit dem Gef\u00fchl der Ohnmacht, die Situation zu ver\u00e4ndern, belastet in dieser Zeit. Diese Gef\u00fchl wird als Bet\u00e4tigungsentfremdung (<strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-tertiary-color\">Occupational Alienation<\/mark><\/strong>) bezeichnet und kann gut am Beispiel von Hannes verdeutlicht werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">Hannes ist 78 Jahre, hat Polyarthrosen, aktuell akute Schmerzen und sitzt an seinem K\u00fcchentisch &#8211; vor sich sein neues Tablet, ein Geschenk seiner Enkel, um dem Gro\u00dfvater eine M\u00f6glichkeit zu geben, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Hannes zur Ergotherapeutin: \u201eDas Ding da h\u00e4tt\u00b4 ich nicht gebraucht. Mit so was hab ich noch nie was am Hut gehabt. W\u00e4r\u00b4 gescheiter gewesen, sie h\u00e4tten sich um ihr Geld was anderes gekauft. Bis ich lerne, wie ich mit dem umgehe, bin ich tot.\u201c Der Plan seiner Enkel war, ihrem Gro\u00dfvater mit dem Tablet M\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen virtuellen Austausch mit Familienmitgliedern und Raum f\u00fcr Freizeitaktivit\u00e4ten mit seinen Kartenfreunden zu geben. Die Stimmung ist mittlerweile etwas angespannt, Hannes kann sich mit \u201edem Ding\u201c nicht anfreunden. Gleichzeitig m\u00f6chte er seine Familie nicht verletzen, seine Freunde versuchen, ihm Mut zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">&nbsp;Was Hannes zu schaffen macht ist eben die genannte Bet\u00e4tigungsentfremdung (occupational alienation): er ist aktuell nicht in der Lage, das Tablet zu bedienen, erkennt seine unzureichende Handlungsperformanz und kann die Situation f\u00fcr sich selbst nicht zufriedenstellend l\u00f6sen. Das Durchf\u00fchren von Handlungen, die mit den eigenen F\u00e4higkeiten und Ressourcen nicht \u00fcbereinstimmen oder zu denen der betroffene Mensch keinen pers\u00f6nlichen Bezug hat, l\u00f6sen Gef\u00fchle der Machtlosigkeit, Frustration und Entfremdungsgef\u00fchle in Bezug auf das soziale Umfeld oder auch auf das Selbst aus. Das Erleben reduzierter Selbstwirksamkeit kann sich unmittelbar auf das individuelle Wohlbefinden und damit auf die Gesundheit und die Lebensqualit\u00e4t auswirken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katrin Pechst\u00e4dt, Magdalena Schl\u00f6gl, Miriam Berger, Kristina Weish\u00e4upl, Melanie Kriegseisen-Peruzzi, Daniela Schlager-Jaschky Kochst Du heute Abend selbst oder bestellst Du Pizza? Gehst Du in Deiner Freizeit lieber in die Berge<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/begriffe-der-os-im-kontext-von-covid-19\/\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">&#8222;Begriffe der OS im Kontext von Covid-19&#8220;<\/span><\/a><\/p>","protected":false},"author":188005436,"featured_media":1258,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","_crdt_document":"","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"_wpas_customize_per_network":false,"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[702376335],"tags":[702376521,702376523,17391330],"class_list":["post-1214","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog","tag-dailyprompt","tag-dailyprompt-1845","tag-occupational-science","entry"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/austrianoccupationalscience.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/img_7553.png?fit=1920%2C1080&ssl=1","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pcby3z-jA","jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/188005436"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1214"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4896,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1214\/revisions\/4896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/austrianoccupationalscience.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}