Occupational Science – Gesellschaften dieser Welt

Katrin Pechstädt, Magdalena Schlögl, Miriam Berger, Thomas Morgenthaler, Anna Röschel

Zurück in Österreich von unserer medialen Sommerreise möchten wir Euch eine Zusammenfassung darüber bieten, welche OS-Gesellschaften ihr weltweit finden könnt. Während wir bei unserer Sommerreise in den Social-Media-Kanälen Österreich als Ausgangspunkt unserer Reise gewählt haben und davon ausgehend in immer größer werdenden Kreisen die Welt erkundet haben, möchten wir Euch hier die Entwicklung der OS-Gesellschaften nun in chronologischer Reihenfolge vorstellen:

Alles begab mit der Gründung der Zeitschrift Journal of Occupational Science (JOS) 1993 durch die Australierin Dr. Ann Wilcock.

Im Jahr 1999 wurde dann mit der International Society of Occupational Science (ISOS) ein weltweites Netzwerk geschaffen, das sich mit Forschung und Ausbildung im Bereich der Handlungswissenschaft befasst. ISOS wurde im Rahmen der OT Australia National Conference in Canberra von 32 Ergotherapeut:innen gegründet, um ein internationales Netzwerk ins Leben zu rufen, das sich mit der Erforschung von Handlung mit dem Blick auf gesellschaftliche Themen beschäftigt.
In den letzten 20 Jahren wurden von ISOS weltweit Workshops, Symposien als auch Konferenzen zu aktuellen Themen der Handlungswissenschaft angeboten, die das Ziel hatten, internationale Zusammenarbeit im Bereich der OS in Politik und Praxis allgemein und im Speziellen imBereich der Forschung zu fördern, sowie die OS in den Curricula von Ausbildungen zu verankern.

Bereits kurz darauf, im Jahre 2000, wurde auf dem Australasian Occupational Science Symposium an der Charles Sturt University, Albury, die Australasian Society of Occupational Scientists (ASOS) gegründet. ASOS dient als Netzwerk für Handlungswissenschaftler:innen aus Australien und Neuseeland und verfolgt das Ziel, die Handlungswissenschaft in Australasien zu fördern. Dabei steht der interdisziplinäre Austausch über den Zusammenhang von Handlung, Gesundheit, Wohlbefinden und sozialer Gerechtigkeit genauso im Zentrum der Arbeit, wie die Erweiterung der Forschungstätigkeiten im Bereich Occupational Science in Australasien und die Förderung der OccupationalScience innerhalb der Profession, Community und Politik.

Ein weiteres Jahr später wurde 2001 die Canadian Society of Occupational Scientists (CSOS) in Kanada ins Leben gerufen. Neben der Förderung der Wissenschaft und der Schaffung von Möglichkeiten zur Vernetzung ist es ein Ziel von CSOS, Occupational Science auch für die Öffentlichkeit verständlich zu machen. Jährlich findet von CSOS ein mehrtägiges Symposium statt, bei welchem sich die Gesellschaft über aktuelle, handlungswissenschaftliche Themen austauscht – beispielsweise gemeinsam mit dem Studiengang Soziologie zum Thema „Einordnung von Occupation in die Gesellschaft“.

Der internationalen Entwicklung in den englisch-sprachigen Ländern folgend fand 2002 die Gründung der Society for the Study of Occupation: USA (SSO:USA) statt. Seit 2002 hält die SSO:USA eine jährliche Konferenz in den USA ab. Im Jahr 2019 hat SSO:USA ein Positionspapier veröffentlicht, um den Zusammenhang zwischen Ergotherapie und Occupational Science zu verdeutlichen.

2004 gab es dann innerhalb eines Projektes erste Ansätze, um die OS in die europäische Forschungslandschaft zu integrieren, welches vom Europäischen Netzwerk für Ergotherapie in der Hochschulbildung (ENOTHE) initiiert wurde und zwischen 2004-2008 durchgeführt wurde. Durch ECOTROS ist es gelungen, die Kommunikation zwischen (potenziellen) Forscher:innen im Bereich OT und OS zu verbessern und über verschiedene Wege Informationen zur Occupational TherapyReserach (OTR) und Occupational Science (OS) an diese Zielgruppe zu vermitteln.

Ab Mitte der 2000er Jahre entstanden im Rahmen von Veranstaltungen für Studierende international mehrere OS-Gesellschaften. Den Anfang damit machte 2006 die Japanese for Study of Occupation (JSSO). Vor der Gründung von JSSO gab es bereits seit 1995 ein jährlich stattfindendes OS-Seminar, das “Japanese OccupationalScience Seminar” (JOSS). Aus diesem hat sich die Gesellschaft schließlich entwickelt, damit Gleichgesinnte besser Ideen zum Thema OS diskutieren können.

Dabei verfolgt JSSO einerseits das Ziel, OS in Forschung und Bildung in Japan zu fördern und so das Phänomen Handlung (“occupation”) interdisziplinär zu erforschen. Andererseits ist JSSO durch die (inter-)nationale Vernetzung bestrebt Themen der OS, Gedanken und Ideen der OS in Forschung, Bildung und Politik einzubringen.

Eine ähnliche Entwicklung gab es zwischen 2006 und 2008 in Chile: Im Rahmen einer Vorlesung zum ThemaOccupational Science im Jahr 2006 an der University of Southern California schlägt Professorin Erna Blache die Gründung einer Gesellschaft für Occupational Science vor. Ihre Student:innen zeigten Interesse und waren sofort von der Idee begeistert. 2008 gelang es einer Gruppe von Alumnis dieses Studiengangs, das erste Treffen der Sociedad Chilena de Ciencia de la Ocupación (SoChCO) in die Wege zu leiten. Seitdem verfolgt SoChCO Ziele rund um die wissenschaftliche Entwicklung der Mitglieder, unterstützt die Verbreitung von Erkenntnissen der Occupational Science und dient als Bindeglied zwischen internationalen OS-Gesellschaften.

Im Jahr 2010 ist mit der Gründung vom Occupational Science Europe (OSE) das Thema OS endgültig in Europa gelandet. Seitdem verfolgt OSE das Ziel, die Handlungswissenschaft auch innerhalb Europas zu stärken und Handlungswissenschaftler:innen in Europaund international miteinander zu vernetzen. Derzeit gibt es vier Komitees, die gemeinsam mit dem Vorstand von OSE Maßnahmen zur Stärkung der Handlungswissenschaft und zur Vernetzung von Handlungswissenschaftler:innen definieren, planen und umsetzen.

Ebenfalls in Europa wurde 2016 dann Research of Occupational Therapy and Occupational Science (ROTOS) als einer der drei Schwerpunkte von OT-Europe (COTEC, ENOTHE, ROTOS) beschrieben. Der Praxis- und Bildungsschwerpunkt von OT-Europe ist bereits gut etabliert, ROTOS hingegen wurde erst im Jahr 2020 als Stiftung in den Niederlanden gegründet. Bereits 2016 hat das ROTOS-Komitee, der jetzige Stiftungsrat, die Vision, die Ambitionen sowie den strategischen Plan bis 2023 formuliert. Dabei möchte ROTOS die Vernetzung zwischen der europäischen Gemeinschaft der Ergotherapeut:innen und Handlungswissenschaftler:innen in der Forschung zu stärken und OS in Europa besser etablieren. Im Vorstand von ROTOS sind daher„Verbindungsmitglieder“ zu COTEC und ENOTHE aus (fast) allen Himmelsrichtungen von Europa (Belgien, UK, Irland, Griechenland, Kroatien und den Niederlanden) zusammensetzt⁠.

In Kooperation mit Occupational Science Europe (OSE) organisierte und veranstaltete eine Gruppe von engagiertendeutschen Ergotherapeut:innen 2017 erstmalig eine OS-Konferenz auf europäischem Festland, genauer gesagt in Hildesheim. Aus dieser Gruppe entstand in Folge des Kongresses die deutschsprachige Occupational Science Gruppe (dOS). Sie trifft sich seitdem regelmäßig und diskutiert und gestaltet die Occupational Science im deutschsprachigen Raum.

Ebenfalls als sprachbezogene Gruppe wurde 2019 Société Francophone de Recherche sur les Occupations (SFRO) mit Hauptsitz in Lausanne (Schweiz) gegründet. SFRO ist die französische, internationale und interdisziplinäre Handlungswissenschaftsgesellschaft, welche die interdisziplinäre Forschung im Bereich der Handlungswissenschaft (Occupational Science) im französischsprachigen Raum fördern möchte und daher Wissen über den Zusammenhang zwischen Handlung, Gesundheit und Wohlbefinden (Occupational Science) in französischer Sprache mit verschiedenen Zielgruppen (z. B. Stakeholder, Professionsangehörige des Gesundheits- und Sozialwesens) teilt. Zudem gibt es Kooperationen mit anderen internationalen Handlungswissenschaftsgesellschaften.

Zeitgleich wurden weitere sprachbezogene Gruppen in Europa gegründet, welche die aus dem englischen Sprachraum stammenden Konzepte der Occupational Science sprach- und landesbezogen diskutieren.

2020 wurde mit der konstituierenden Sitzung die Austrian Association of Occupational Science (AOS) ins Leben gerufen, der erste Vorstand am 21.01.2021 gewählt und damit die Vereinstätigkeiten aktiv aufgenommen. Uns ist es wichtig, die Handlungswissenschaft in Österreich zu etablieren und dabei besonders Euren Wünschen an uns nachzukommen. Von Euch wurde einerseits der Wunsch nach Vernetzung und nach Öffentlichkeitsarbeit genannt. Daraus folgt für uns, dass wir mit vielen der genannten OS-Organisationen zusammenarbeiten und Euch immer Up-to-Date Informationen aus der internationalen Welt der OS weitergeben, ohne die Entwicklung der OS in Österreich aus den Augen zu verlieren.

Ein Kommentar zu „Occupational Science – Gesellschaften dieser Welt

  1. Super, Eure mediale Sommerreise, vielen Dank! Werde diesen link bei nächster Gelegenheit meinen Studierenden weitergeben, denn schon bald taucht die Occupational Science im Curriculum auf 😉
    Eine kleine Anmerkung zu EOS: vor Hildesheim gabs schon Symposien zur Occupational Science in Plymouth (2011), Cork (2013) und Bournemouth (2015). Da war UK auch noch bei der EU 😉 Wobei, zu Europa gehört UK allemal 🙂
    Sehr Vieles von Eurem Überblick hab ich nicht gewusst, Super, wie weit verbreitet OS ist und großartig, dass wir eine AOS haben 🙂
    Johanna Stadler-Grillmaier

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